Ein Special statt Film oder Serie
Werewolf by Night war die erste Marvel Studios Special Presentation, also ein eigenes Format zwischen Film und Serienfolge. Kurz darauf folgte mit dem Holiday Special der Guardians of the Galaxy ein zweites. Beide sind kürzer als ein Kinofilm, in sich abgeschlossen und eher als Bonus für Fans gedacht.
Das Besondere an Werewolf by Night ist der Look. Fast die gesamte Laufzeit ist in Schwarz-Weiß gedreht, mit künstlichem Filmkorn und den kleinen Markierungen, die früher den Rollenwechsel im Kino angekündigt haben. Das Ganze ist eine Verbeugung vor den klassischen Monsterfilmen der Hollywood-Frühzeit, mit nebligen Friedhöfen, knarrenden Türen und einem Herrenhaus voller ausgestopfter Trophäen. Regie führte Michael Giacchino, den du eher als Komponisten kennst, unter anderem von Doctor Strange und den Spider-Man-Filmen mit Tom Holland.
Werewolf by Night in der Reihenfolge
Eine feste Stelle in der Handlung hat das Special eigentlich nicht. Es spielt in einer verborgenen Ecke der Welt, in der Monsterjäger ihre eigenen Regeln haben, und kein Avenger taucht auf. In unserer Zeitleiste steht es zwischen She-Hulk: Die Anwältin und Black Panther: Wakanda Forever. Mit keiner der beiden Produktionen gibt es eine inhaltliche Verbindung, die Einordnung ist eher ein Platzhalter.
Nach Erscheinen geschaut kommt das Special direkt nach Thor: Love and Thunder. Veröffentlicht wurde es passend zur Halloween-Zeit, und genau dort fühlt es sich auch am wohlsten. Wenn du einen langen Marathon planst, kannst du es also auch einfach Ende Oktober einschieben, ganz egal, wo du gerade in der Liste stehst.
Worum geht es?
Nach dem Tod des berühmten Monsterjägers Ulysses Bloodstone versammeln sich seine früheren Weggefährten in Bloodstone Manor. Seine Witwe Verussa lädt zu einer makabren Jagd: Wer das Monster im Labyrinth des Anwesens erlegt, erhält den Bloodstone, ein Relikt mit großer Macht. Unter den Jägern ist auch Elsa, die entfremdete Tochter des Hauses, die eigentlich nichts mehr mit ihrer Familie zu tun haben will. Und dann ist da Jack Russell, ein ruhiger Mann, der ganz eigene Gründe für seine Teilnahme hat.
Die Geschichte ist kompakt und spielt fast nur an einem einzigen Abend. Gerade weil sie so wenig erklärt, wirkt das Special wie eine Tür in einen Teil des Marvel-Universums, den wir bisher kaum gesehen haben.
Gael García Bernal spielt Jack Russell mit leiser Melancholie statt mit Raubtiergebrüll. Laura Donnelly ist Elsa Bloodstone, trocken, wehrhaft und genervt von ihrer Stiefmutter. Harriet Sansom Harris gibt Verussa als herrlich überdrehte Gastgeberin. Comicfans freuen sich außerdem über eine weitere bekannte Kreatur aus der übernatürlichen Ecke des Marvel-Universums, die hier eine überraschend rührende Rolle bekommt.
Für wen lohnt sich das Special?
Für die Hauptgeschichte ist Werewolf by Night optional, du verpasst nichts, wenn du es auslässt. Wer Horror, Grusel-Atmosphäre und kurze, abgeschlossene Geschichten mag, sollte trotzdem reinschauen. Beachte, dass es für Marvel-Verhältnisse recht brutal zugeht, auch wenn das Schwarz-Weiß manches abmildert. In Deutschland streamst du das Special bei Disney Plus. Als kurze Pause zwischen zwei großen Filmen passt es gut in jeden Marathon-Plan.